








Das künstlerische Denken Dorothea Reese-Heims - von 1983 bis 2009 Professorin für Textil an der Universität Paderborn- kreist um die skulpturalen Möglichkeiten von Papier und textilen Materialien. Gitterstrukturen, Lineaturen und lichtdurchwirkte Plastizität begründen den Gestaltcharakter ihrer Objekte und transparenten Raumkörper. In der gegenseitigen Bedingtheit von Innen und Außen, im Neben- und Gegeneinander der Strukturen, entsteht eine Vielfalt optischer Relationen, die das Auge des Betrachters fortwährend aktivieren. Immer wieder erprobt sie neue Werkstoffe, aus denen sie fragile Gebilde schafft – leicht und schwebend, wirken manche wie fremdartige, in schillernden Farben phosphoreszierende Wesen aus der Tiefsee. Die Künstlerin verspannt ihre Arbeiten mit dem Raum, vernetzt ihn, durchzieht ihn mit skelettartigen Strukturen, mit Adern und Kanälen.
Der Titel der Ausstellung, „Lineare Systeme“, betont die Spannung, mit der sich die Arbeiten zum einen als eigenständige Raumkörper behaupten, sich jedoch zugleich dem Betrachter öffnen und ihn in ihren ganz eigenen Bann ziehen. Die Werke, die dem Titel der Ausstellung Rechnung tragen und ihm zugleich diametral entgegenstehen, sind die „Geschlossenen Systeme“, die zur Serie der Raumzeichnungen gehören. Diese faszinierenden Werke sind nicht etwa - wie es seit Jahrtausenden in der Kunst Tradition ist - aus einem Stück Holz geschnitzt, aus Marmor geschlagen, in Gips geformt oder in Bronze gegossen, sondern bestehen aus leerem Raum. Genau diese Leere macht die Künstlerin sichtbar, formt und zelebriert sie geradezu, indem sie sie mit Metallringen oder Glasfaserstäben, aber auch mit dem edlen Papier des Maulbeerbaumes umspannt, so dass gitterartige, transparente Strukturen entstehen. Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet Reese-Heim mit techtextilen Materialien und entdeckt immer wieder neue Gewebe und industriell hergestellte Stofflichkeiten für sich und schafft daraus fragile Gebilde mit bizarren Formen, die durch ihre Grazilität und anmutende Leichtigkeit bestechen.
Eine weitere wichtiger Komplex im umfangreichen Oeuvre von Reese-Heim sind die Arbeiten aus Papier. Seit 1981 setzt sich die Künstlerin mit diesem Werkstoff auseinander, entwickelte einen ganz persönlichen Umgang zu diesem uralten Material, dessen Möglichkeiten sie immer wieder auslotet. Zwar benutzt sie auch industriell hergestelltes Papier für ihre Zeichnungen, die einen Ausgleich zu ihrem skulpturalen Schaffen bilden, doch ist es vor allem die Herstellung selbst, die sie fasziniert.
Der Betrachter muss sich auf die exotisch wirkenden, teils enigmatischen Objekte selbst einlassen, um den Dialog des Objekts mit dem Raum, die verschiedenen Vernetzungen, die Variationen der Muster und Linienüberschneidungen zu entdecken.
Dorothea Reese-Heim (geb. 1943 in Sindelfingen) studiertean den Akademien der Bildenden Künste in Karlsruhe und München. Für ihr Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Bayerischen Staatspreis, den Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst und den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Ausstellung: 12.01.-11.02.2012
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag 12-20 Uhr, Sa 12-16 Uhr
Werkstattgalerie
Eisenacher Str. 6
D-10777 Berlin
info@werkstattgalerie.org
Tel: +49.30.21002158

Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung von Dorothea Reese-Heim am Donnerstag, den 12.Januar 2012 ab 19 Uhr . |