 | At the Horizon of Time
18.11.-30.12.2011
Mary Bauermeister, Clément Borderie, Pascual Jordan, Hartmut Stielow
Die Künstler dieser Ausstellung verbindet trotz sehr unterschiedlicher Konzepte eine Verwandschaft in Ihren Werken, die vom Einfluß der Natur auf Ihr Schaffen bestimmt wird.
Mary Bauermeister kann als eine Protagonistin der Kölner Fluxus-Bewegung der 60er/ 70er Jahre gelten, die auch international bedeutsam wurde. In ihrem legendären Atelier in der Lintstraße trafen sich 1960-62 Größen wie John Cage, George Brecht oder Nam June Paik, um in Performances, Happenings, Lesungen und Konzerten Kunst als eine Zusammenführung von Medien zu inszenieren. Zu manchen ihrer Ausstellungen wurde Musik von Karl-Heinz Stockhausen gespielt, mit dem sie verheiratet war und mit dessen Kunst die Ihre das Interesse an Fragen der Komposition verband. Heute arbeitet Mary Baumeister auf ihrem Ateliergelände in Rösrath, von dem ausgehend sie ihre an kosmologischen Theorien orientierten Gartenanlagen plant. Die hier gezeigten Kollagen aus gesammelten Flusssteinen waren ursprünglich Durchamp gewidmet, der sie sehr mochte. Wie sich, was sie findet, unter ihren Augen, ihren Händen zusammenfindet, drückt sich in Formen aus, die sich zwischen denen der Natur und denen der menschlichen Geschichte bewegen.
Der Bildhauer Hartmut Stielow ist Schüler von Bernhard Heiliger. Schon früh positionierte sich Stielow außerhalb der zeitgenössischen Kunstdiskussion und bezog sein Handeln auf die Tradition der Stahlplastik. Die großen wie die kleinen Skulpturen aus Roststahlstrukturen und hellen Granitblöcken erinnern im Erscheinungsbild an die abstrakte Kunst des 20.Jahunderts. Sie sind aber grundsätzlich anders beseelt. Nicht gedachte Formen werden in Materialien umgesetzt. Die Konkretheit des Steines in seiner Schwere und die Konkretheit des Eisens in seiem Tragen begenen einander. Das Eisen umschließt den schweren Stein in einer feinen Balance, die Gegensätze werden zu einer Einheit zusammengefügt. Seine Thematik ist das Lasten und Tragen, Aufruhen und Emporheben wie in seiner "Pieta"- abstrahiert von allem Figürlichen und konkret wie alle Vorgänge des Lebens. Stielows Arbeiten zeichnen sich aus durch ihre Offenheit und die ihnen innewohnende Ruhe.
Pascual Jordan hat eine vielseitige Entwicklung figürlichen Malens, besonders des Porträts hinter sich gelassen. Es folgte eine Periode der Auflösung des Gegenständlichen, so buchstäblich, dass von ihr „fliegende Teile“ die Bilder zu bestimmen scheinen. In Wirklichkeit waren aber bereits die fern nuancierten Hintergründe das Wesentliche. Ihre Partikel folgen der Frage, welche neuen Welten sich aus den zerfallenen bilden werden. Inzwischen legen sich Farbschichten von dunklem oder matt leuchtendem Glanz über die alten Strukturen, die nur noch unsichtbar ihr Zueinander und gegeneinander den Bildern mit auf die Wege geben. Manchmal breitet sich souverän ihr Zwischen aus, malerische Spieglung von Luft und Licht des Meeres. In den Tönen lebt die Liebe des Malers zu der Farbenkunst der Meister, die er verehrt.
Im Herbst sind die Formen von Clement Borderie, diese sonderbaren Gestelle aus Eisen, mit Maltuch bespannt, um den Wechsel der Zeiten und der Elemente festzuhalten, mit abgefallenem Laub bedeckt. Diese Blätter werden vom Winterwind vertrieben werden, bevor, dann, die Frühlingsregen in die Leinwände eindringen. Staub, Insekten, Pollen, Blüten, Zweige und die Verschmutzungen der Luft lassen sich darauf nieder. Dabei prägen sie dem Tuch ihre Bahnen, ihre Farben, ihre Formen auf. So entstehen die Werke von Borderie in einem Prozess wie dem der Fotografie, nur zeitlich verzögert in Zeitlupe. Indem er seine Gestelle an derart entfernten Orten aufstellt wie Vole Sacré bei Verdun, Paris, Berlin oder Havanna, sammelt Borderie den Staub, den Regen, das Gedächtnis dieser Böden und dieser Städte, gibt Borderie zu entdecken, was sie unterscheidet und was sie gemeinsam haben.
Ausstellungszeiten Di-Sa 12-19 Uhr
Werkstattgalerie | Eisenacher Str. 6 | D-10777 Berlin
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